> Ernst & Claudia on Tour :.
Unsere Reise durch Indien und Südamerika [1. Oktober 2004 - 17. Februar 2004]
 
:: Auf der Ruta 40 nach El Chalten und El Calafate (27.11. - 03.12.2004) Last updated: Sunday, December 05, 2004

Nach Chile Chico passieren wir also erneut den chilenisch-argentinischen Zoll. Zum Glück und der Tatsache zu folge, dass wir den Zollbeamten zu einer Augen-zufallend-frühen Morgenstunde bemühen, haben wir keinerlei Probleme! Unsere – von Claudia erschlichenen – Zollpapiere werden ohne ein Murren akzeptiert. Im Gegenteil bietet uns die Beamtin sogar an, weitere Kopien zu erstellen, da wir ja noch eine Weile reisen ... man wüsste ja nie. Wir verzichten dankend und so fahren wir fünf Minuten später auf argentinischen Strassen weiter. Bis Perito Moreno sind die Strassen komfortabler Weise noch asphaltiert, danach beginnt die abenteuerliche Fahrt auf der Ruta 40. Im South American Handbook werden wir vor der Reifenfressenden, Benzintankaustrocknenden, Windschutzscheibenzerklirrenden und Stossdämpferbrechenden Strasse des Horrors gewarnt. Gut ausgerüstet; mit einem roten Benzinkanister, frisch geprüftem Reifendruck, einem Ersatzreifen – mit dem sinnigen Namen Feuerstein – und je einem Paar frischer Unterhosen biegen wir ab auf die Strasse des Abenteuers und finden zuallererst eine Holperpiste, die untertriebenerweise einen „baufälligen Eindruck“ erweckt. Na ja, wir haben ja nur eine Tagesetappe von 550 Kilometer bis Tres Lagos vor uns und das mit einer unglaublichen, der reziproken Lichtgeschwindigkeit nahen Durchschnittsgeschwindigkeit von 25-35 Kilometer pro Stunde --- ihr könnt Euch vorstellen: wir zweifeln! Aber nicht lange - glücklicherweise erbarmt sich die Strasse unser nach etwa 30 Kilometer und Claudia „Fangio“ fliegt in unserer grünen, asiatischen Rakete zwischenzeitlich mit bis zu 100 Sachen über die pfeilgerade und sehr sanfte Ruta Quarenta. Wehe dem, der da bremsen muss und seinen Fuss nicht ABB (Anti Brems-blockier Bein) nennen kann – gell Ernscht – der fliegt! In genannter Art und Weise kommen wir unserem Zielort schneller entgegen, als wir uns das auf den ersten Kilometern erhofft hatten. Wir passieren kaum andere Fahrzeuge. Es ist eine verlassene und unwirtliche Umgebung, so kreuzen wir wenn es hoch kommt alle zwei Stunden ein anderes Mobil und sehen sehr, sehr, sehr selten eine von Pappeln umgebene Estanzia. Die Ruta 40 also ist viel weniger stark befahren, als die Carretera Austral. Die Landschaft bietet nicht sehr viel Abwechslung, abgesehen von Steinen, Sand, Büschen und Felsen in grosser Farbenvielfalt. Die Strecke führt uns durch die argentinische Pampa, die uns durch ihre unvorstellbare Weite und ihre an gewissen Stellen über dutzende Kilometer schnurgerade Strassenführung, ohne jegliche Steigung sehr beeindruckt!

Gegen Abend, nach 550 gefahrenen Kilometern, 100 Gramm geschlucktem Staub, 40 verbrannten Litern Benzin, vier durchvibrierten Armen und 2 eingeschlafenen Füdlis, kommen wir endlich in Tres Lagos an. Dies ist ein kleines verträumtes Nest in Mitten dieser Pampa mit zirka 100 Einwohnern. Wir suchen, das im Reiseführer angegebene Restaurant, das auch Schlafmöglichkeiten zur Verfügung stellen soll. Wir finden nichts und fragen bei einer Einheimischen nach. Sie erklärt uns zu unserem Erstaunen, dass dieses Restaurant geschlossen sei. Jedoch nennt sie uns ein anderes, das uns dann schliesslich auch für eine Nacht beherbergt. Was wir hier vorfinden, übertrifft unsere grundsätzlichen Erwartungen bei weitem. Eine ältere Lady, vor Energie strotzend, bietet uns ein schönes und wirklich sauberes Zimmer an. Auch für die Verpflegung ist gesorgt. Ihre Köchin bereitet eigens für uns ein Abendessen (Beef, Pommes und Spiegelei) vor.

Am Morgen werden die frischen Brötchen sogar direkt beim Bäcker geholt, so dass sie noch ofenwarm auf unseren Tellern landen. Wir werden hier also richtiggehend verwöhnt und ziehen vor der Gastfreundschaft uns gegenüber den Hut. Wohl gestärkt und ausgeruht treten wir die Weiterreise an. Nach den Strapazen des Vortages legen wir heute lediglich 120 Kilometer zurück bis wir El Chalten, das Dörfchen am Fusse des berühmten Cerro Fitz Roy, erreichen. Die Strecke ist ähnlich unbewohnt und schlicht, wie am Vortag beschrieben. Kurz vor El Chalten erhaschen wir bereits die ersten Blicke auf den „Fitz Roy“. Er ist etwas über 3000 m.u.M. hoch. Mit seinen steilen, von Eis bedeckten und steil ansteigenden Granitwänden stellt er Kletterer aus der ganzen Welt vor eine sehr schwierige Probe. Es kursiert auch die Meinung es sei der am Schwierigsten zu besteigende Berg – kein Kommentar dazu, wir konzentrieren uns auf Sechstausender! *lach* In der Nachbarschaft des Fitz Roy befindet sich eigentlich der Cerro Torre. Obschon das Wetter im grossen und ganzen sehr gut ist, sehen wir diesen ebenso majestätisch in dem Himmel ragenden Berg auf der Fahrt nach El Chalten nicht.

Leider haben wir auch an den nächsten Tagen kein Wetterglück. Die dreistündige Wanderung zur Laguna Torre ist zwar schön, doch sowohl der Ausblick auf den Cerro Torre, als auch den Fitz Roy bleibt uns während der ganzen Dauer unseres Aufenthalts verwehrt – als wollten sie sich vor uns verstecken! So verlassen wir nach drei Tagen das Dörfchen El Chalten, von den Launen der Natur unbeeindruckt und nicht nachtragend in Richtung El Calafate, wo wir unter anderen den Perito Moreno-, Upsala- und Spegazzini-Gletscher besichtigen werden.

Wie schon die Tage zuvor bleibt das Wetter zuverlässig schlecht. Bei den Gletschern ist es feucht-kalt bewölkt, aber wenigstens regnet es nicht. Das Spezielle an den Gletschern ist, dass sie teilweise von einer Höhe von zirka 2000 m.u.M. bis auf eine Höhe von 185 m.u.M. fliessen, wo sie in den Lago Argentino münden und abbrechen. Der See ist übersät von vielen unterschiedlich blaufarbenen, geformten und grossen Eisbergen. Teilweise sind sie mehrfamilienhausgross. Aus dem Wasser ragt nur etwa ein Sechstel des Eisbergs, der Rest ist unter dem türkis-blau-milichig gefärbten Wasserspiegel verborgen. Übrigens, dem Wasser sagt man sinnigerweise „Gletschermilch“! Es ist faszinierend vor den enormen Gletscherabbrüchen zu stehen und dem ohrenbetäubenden Krachen der Gletscher zuzuhören. Von Zeit zu Zeit bricht von einem enormen Knall begleitet ein Stück des Gletschers in den See und verursacht eine gewaltige Welle. In den letzten 30 Jahren sind beim – zu nahen – Beobachten des Naturphänomens über 30 Menschen ums Leben gekommen. Wir sind vorsichtig! Wir geniessen dieses fast unbeschreibliche Naturschauspiel und werden es für immer in Erinnerung behalten. Leider können wir Euch mit unseren Bildern nur einen kleinen Eindruck davon vermitteln.

Die nächste Station ist der bekannte Nationalpark Torres del Paine in Chile, mehr zur Grenzüberfahrt im nächsten Bericht.

 

Estamos bien y deseamos feliz „Samichlaus“,
Claudia & Ernst

 

Die Ruta 40 - kurvig, hügelig und steinig
Die Ruta 40 - kurvig, hügelig und steinig

Farbtupf auf der Ruta 40
Farbtupf auf der Ruta 40

Schon wieder - aber schnurgerade
Schon wieder - aber schnurgerade

Bizzare Felsformationen bei Tres Lagos
Bizzare Felsformationen bei Tres Lagos

Cerro Fitz Roy bei El Chalten
Cerro Fitz Roy bei El Chalten

Carpintero Patagonico im Nationalpark Los Glaciares
Carpintero Patagonico im Nationalpark Los Glaciares

Blauer geht es einfach nicht
Blauer geht es einfach nicht

Der Spegazzini-Gletscher
Der Spegazzini-Gletscher

Gletscher Spegazzini - Hundert Meter hoher Gletscherabbruch
Gletscher Spegazzini - Hundert Meter hoher Gletscherabbruch

Claudia vor dem Gletscher Agassiz am Lago Onelli
Claudia vor dem Gletscher Agassiz am Lago Onelli

Der Upsala-Gletscher
Der Upsala-Gletscher

Claudia vor dem Perito Moreno-Gletscher
Claudia vor dem Perito Moreno-Gletscher

Zum Beweis: Ernst hat sich von den heissen Dämpfen wieder erholt
Zum Beweis: Ernst hat sich von den heissen Dämpfen wieder erholt

Der Perito Moreno-Gletscher
Der Perito Moreno-Gletscher

Gletscher Perito Moreno - Er wächst noch immer
Gletscher Perito Moreno - Er wächst noch immer

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