> Ernst & Claudia on Tour :.
Unsere Reise durch Indien und Südamerika [1. Oktober 2004 - 17. Februar 2004]
 
:: Rio de Janeiro – Pantanal und der Amazonas (22.1. - 6.2.2005) Last updated: Wednesday, February 09, 2005

Am 22. Januar geht nun also die Reise definitiv von Argentinien nach Brasilien weiter. Dies ist ein untrügerisches Zeichen dafür, dass unsere letzten Destinationen leider unaufhaltsam näher rücken, dennoch wollen wir noch nicht ans nach-Hause-gehen denken.

In diesem Sinne geniessen wir vorerst vier schöne und sonnige Tage in Rio de Janeiro. Ernst freut sich ja bereits seit Beginn der Reise auf die knapp bekleideten, braungebrannten, vollb..., dunkelhaarigen, schönen Girls der Copacabana mit den unglaublichen Figuren. Keine Sorge, Claudia hofft auch, dass dieses Mal etwas für sie dabei ist. Die Enttäuschung ist beiderseits gross – Rio (oder „Hio“ wie die Brasilianer sagen) wird seinem Ruf leider nur halbwegs gerecht. Tatsächlich sind die meisten Menschen am Strand durchaus knapp bekleidet, braungebrannt, vollb... und dunkelhaarig! Soweit so gut – ebenso sind die meisten Figuren unglaublich, nämlich der Schwerkraft und dem Essen ausgesetzt! Na ja, wer zu viel erhofft, wird halt eben leicht enttäuscht. All den beschriebenen Widrigkeiten zum Trotz, nutzen wir die uns zur Verfügung stehende Zeit, indem wir den Strand und die Sonne in vollen Zügen geniessen und zwischendurch Ausflüge zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt unternehmen. Glücklicherweise meint es das Wetter einmal mehr gut mit uns – obwohl die Wettervorhersage vor unserer Ankunft schlechtes Wetter gemeldet hatte. Das gute Wetter macht’s möglich, dass wir Ausflüge zum Zuckerhut, dem Corcovado, sowie Tijuca, einem Nationalpark der mitten in der Stadt liegt, machen können. Der Park wurde errichtet, um die darin liegenden Süsswasserquellen und den somit wichtigsten Teil der Wasserversorgung der Stadt und deren neun Millionen Einwohner zu sichern. Er bietet eine wunderbare und vielfältige Fauna und Flora, unzählige Wanderwege sowie malerische kleine und grössere Seen und Wasserfälle. Vom Zuckerhut aus haben wir eine tolle Aussicht über die ganze Stadt, die mitten in den grünen Hügeln an einer riesigen Bucht mit unzähligen weissen Stränden eingebettet liegt. Der Corcovade ist zum Zeitpunkt unseres Besuchs leider vollkommen im Nebel verhüllt. Mit ein wenig Geduld und viel Glück bekommen wir die berühmte Christus-Statue jedoch trotzdem in voller Grösse zu sehen. Übrigens, die Einwohner von Rio sind die „Cariocas“ und tragen mit den „Paulistas“ (Sao Paulo) eine ähnliche Rivalität aus, wie die Zürcher und die Basler! Im Vorfeld unserer Reise sind wir oft vor der Gefährlichkeit Rios gewarnt worden, aus diesem Grund und nach unserer negativen Erfahrung in Buenos Aires, haben wir wirklich immer nur das Notwendigste dabei und so vergeht die kurze Zeit in Rio de Janeiro glücklicherweise ohne jegliche Zwischenfälle.

Im Anschluss an den „Grossstadt-Dschungel“ wartet das grösste Sumpfgebiet der Welt auf uns: das Pantanal. Um dorthin zu gelangen, fliegen wir zirka 2500 km von Rio nach Cuiabá, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso. Die Stadt zählt 700 000 Einwohner, was für brasilianische Verhältnisse eher klein ist. Von hier aus geht es nun also für vier Tage ins Pantanal. Am Morgen nach unserer Ankunft werden wir beim Hotel abgeholt und in die Araras Lodge gefahren. Mit uns im Bus sind zwei ältere Amerikaner, die sich schon nach kurzer Fahrt als liebe, aber fanatische Vogel-Voyeure (auch Bird-Watcher genannt) zu erkennen geben. So stoppen wir mindestens alle fünf Minuten, um irgend so einem kleinen (bestenfalls grossen) Piepmatz aus einer unsinnig grossen Feldstecher-Distanz in die Privatsphäre zu glotzen, um dann anschliessend wissenschaftlich-genau seine Kopf-, Brust-, Flügel-, Hals-, Schnabel- und Fussfarbe – nicht zu vergessen die Schnabelform, die Familienzugehörigkeit, den Gesang und die Nacht- beziehungsweise Tagaktivität zu bestimmen. Nur so kann dann der Name des Vogels in einer ausufernden Diskussion bestimmt werden. Danach trägt der Beobachter den Namen des Vogels in sein Logbuch ein – ähnlich wie ein Jäger seine Jagdtrophäe in der Stube aufhängt. Wie wir erfahren, geht es also darum möglichst viele unterschiedliche Arten in einer Zeitperiode zu bestimmen. Das klingt jetzt alles furchtbar dramatisch, doch hatten wir auch unseren Spass daran, denn so wurden wir gerade in die Vogelvielfalt dieses Gebietes eingeführt. Abgesehen von der soeben beschrieben Aktivität – die uns während der ganzen vier Tage begleitet – fahren wir Kajak auf einem kleinen, spiegelklaren Fluss, der durch eine unheimlich schöne und reichhaltige Landschaft fliesst. Weiter machen wir zu Fuss, zu Pferd und auf dem Jeep Ausflüge, auf denen wir uns den unterschiedlichsten Tieren während des Tages oder der Nacht nähern, um sie aus kurzer Distanz zu beobachten. Ein Highlight ist sicherlich der Reitausflug, der uns mitten durch die Sümpfe führt, wobei uns das Wasser zwischenzeitlich bis über die Knie reicht. Glücklicherweise haben die sich im Wasser befindenden Caimane Angst vor Pferden und die Piranhas stürzen sich lediglich auf verletzte und blutende Pferde oder Menschen – also keine Gefahr für uns Krokodilschwinger! Die Zeit vergeht also wie im Fluge und so kehren wir am vierten Tag nach Cuiabá zurück. Unser Führer Rogerio – übrigens ein Carioca – hat ab dem Tag unserer Abreise Ferien und begleitet uns deshalb in die Stadt.

So haben wir das Glück, dass wir ihn für den nächsten Tag gleich nochmals engagieren können und mit ihm einen tollen Ausflug nach Chapada dos Guimarães, das auf einer 700 Meter hohen Hochebene liegt, zu unternehmen. Dort überraschen uns unheimlich schöne Canyons, extrem hohe Wasserfälle und ein hinreissender Ausblick über das tiefer gelegene Pantanal. Nach dem ereignisreichen Tag fallen wir am Abend todmüde ins Bett. Die Tatsache, dass unser Flugzeug bereits zur unmenschlich und ferienunverträglich frühen Zeit, sprich sechs Uhr morgens weiter nach Manaus fliegt, lässt uns umso schneller in den Schlaf entgleiten.

In Manaus verbringen wir zuerst eine Nacht im Hotel bevor wir am folgenden Morgen, dem zweiten Februar, zuerst mit dem Bus und dann mit einem kleinen Boot zur Lodge im Amazonasbecken gefahren werden. Die Lodge war ursprünglich nur für Japaner geöffnet, doch seit einem Jahr sind auch alle anderen Nationen willkommen. Dennoch sind wir während unseres Aufenthalts die einzigen Nichtasiaten. Dies macht uns jedoch nichts aus, haben die Asiaten ja bekanntlich eine sehr angenehme und zurückhaltende Art und trinken wie wir sehr viel Caipilinha. Unser Amazonasexperte ist Timothy und er spricht fast perfekt Englisch, da er einen britischen Grossvater hatte, der Zoologe und Amazonasforscher war. So hat Tim schon als kleiner Junge viel Zeit mit seinem Grossvater im Dschungel verbracht und ihn bei seinen Forschungsarbeiten begleitet. Heute studiert Tim Biologie und arbeitet, wenn es die Zeit zulässt, nebenher als Führer im Amazonas, womit er sich das Studium finanziert. Somit weiss er sehr viel über den Amazonas, was er uns auch mit sehr viel Enthusiasmus weitergibt!

Amazonas-like regnet es am ersten Tag nach dem Mittagessen in vollem Strömen und so bleiben wir in der Lodge. Wir sitzen unter dem Dach der Bootsanlegestelle am Ufer des Flusses und beobachten die Delphine beim Schwimmen und Springen aus unseren Hängematten. Nebenher versuchen wir unser Glück beim Würmlibaden. Die Piranhas bleiben aus, doch sowohl Claudia als auch Tim sind erfolgreich und angeln je einen Catfish, einzig Ernst hat heute kein Glück und geht ohne Beute aus.

Am folgenden Tag fahren wir mit dem Boot durch kleine Nebenkanäle des Amazonas und geniessen das Beobachten der Vogelwelt bis wir an einem See angelangen, wo wir unser Fischerglück nochmals auf den Prüfstand stellen. Hier ist es wirklich keine Kunst einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Sogar bei Ernst zieht es an der Leine, kaum ist der Haken mit einem Fleisch bestückt im Wasser. So ziehen wir einen Piranha nach dem anderen aus dem Wasser. Die gefährlichen Fische sehen, von ihrem Gebiss abgesehen, eigentlich ganz niedlich aus. Wenn man sie jedoch von der Angel nehmen will, klappern sie wie wild mit ihren scharfen Zähnen, so dass es einem schon einwenig Angst einjagt, wenn man daran denkt von einem Schwarm solcher Jäger angegriffen und in Minutenfrist verspeist zu werden! Umgekehrt, schmecken sie uns grilliert sehr.

Am Abend nach dem Essen machen wir uns mit Tim und unserem Bootsfahrer auf den Weg in den Dschungel hinein, wo wir nach zwei Stunden Marsch die Gelegenheit haben in einer einfachen Holzhütte in Hängematten zu übernachten. Auf dem Weg dorthin beobachten wir mit unseren Taschenlampen das Geschehen im Regenwald. Das Konzert der Geräusche um uns herum ist beeindruckend: heulende Affen, quakende Froesche, pfeifende Vögel, zirrende Grillen und Insekten. Da es stockdunkel ist, müssen wir unsere einzelnen Tritte sicher setzen, denn zu dieser Zeit sind viele nachtaktive Spinnen und Schlangen unterwegs. Prompt treffen wir nach zirka einer halben Stunde auf die erste beeindruckend grosse Vogelspinne (auch Tarantel genannt), die knapp neben unserem Weg in ihre sichere Höhle springt und dort ausharrt bis wir weitergehen. Zwanzig Minuten später wird es noch besser. Wir begegnen der berüchtigten Buschmeister-Schlange. Sie gilt als die giftigste im ganzen Amazonas und die zehntgiftigste weltweit. Da gibt es nichts anderes als „Rübe ab“! Bei der Hütte angekommen, hängen wir unsere Hängematten auf und entdecken an einem Balken über uns eine circa 12 Zentimeter grosse und haarige Spinne, die auf ihrem Nest sitzt. Auf die Frage, ob die Spinne für uns ein Problem und giftig sei, entgegnet Tim cool, dass alle Spinnen giftig seien, sich diese wegen ihres Nestes aber nicht von der Stelle bewegen werde. Wir können also beruhigt darunter nächtigen!

Gut geschlafen und ausgeruht können wir am darauf folgenden Morgen, die Stimmung des Regenwaldes von der Terrasse aus beobachten. Wir sehen, dass die Hütte an einem kleinen Bach unweit einer Quelle liegt. Unser Frühstück wird von einem eindrücklichen Schauspiel begleitet. Wir beobachten drei riesige und extrem blaue Schmetterlinge, die auf lustigen Bahnen über dem Wasser fliegen. Anschliessend gehen wir mit Tim tiefer in den Dschungel hinein. Er bahnt uns einen Weg durchs Dickicht und zeigt uns dabei verschiedene Pflanzen und erklärt uns, zu was sie gut sind und was die Eingeborenen damit machen. So lernen wir beispielsweise Lianen kennen, die genügend Trinkwasser für eine ausgedehnte Dusche speichern und einen Baum, der eine Flüssigkeit absondert, die gegen Diabetes wirkt. Gegen Mittag erreichen wir nach einer zweistündigen Wanderung tropfnass (die Feuchtigkeit im Regenwald beträgt bis zu 95%) und glücklich die Lodge. Am Nachmittag fahren wir ein letztes Mal mit dem Boot durch wunderschöne Kanäle der malerischen Amazonaslandschaft. Bei einem ersten Halt besuchen wir das Haus einer einheimischen Familie und können bei einem zweiten Halt zusehen, wie man früher zur „Rubberboom-Zeit“ in Manaus, Gummi aus den Bäumen gewonnen und verarbeitet hat. Am Abend, so gegen sechs Uhr, sind wir wieder zurück in Manaus. Dies waren eindrückliche Tag mit sehr vielen tollen Erlebnissen.

Am fünften Februar, einem Samstagmorgen, besichtigen wir noch die Stadt Manaus. Dabei sehen wir den Markt, den Hafen, das Regierungsgebäude, das Indianermuseum und last but not least das Opernhaus von Manaus. Dieses stammt aus der Zeit des Rubber-Booms und wurde 1896 errichtet. Materialien aus aller Welt wurden dafür verwendet. So kommt beispielsweise der Marmor aus Carrara, die Kronleuchter und das Glas aus Murano, das Holz aus Portugal und Brasilien und Tonnen von Stahl aus Schottland. Das Opernhaus ist ein wahres Prunkstück und zeigt den einstigen Reichtum von Manaus. Alles ist enorm gut erhalten, auch die Malereien von den italienischen Künstlern, die man extra dafür geholt hatte. Danach geht es wieder zurück ins Hotel und Berichtschreiben ist angesagt. Jetzt haben wir nur noch zwei Stationen vor uns, Recife/Olinda und Salvador de Bahia. Alles hat halt eben mal ein Ende! Bald habt Ihr uns wieder.

 

Saúdes para todos

 

Der Zuckerhut in Rio de Janeiro
Der Zuckerhut in Rio de Janeiro

Eine der farbigen und ineinandergeschachtelten Favelas
Eine der farbigen und ineinandergeschachtelten Favelas

Die Copacabana bei Nacht
Die Copacabana bei Nacht

Ausritt durch den Sumpf im Pantanal
Ausritt durch den Sumpf im Pantanal

Flusslandschaft im Pantanal
Flusslandschaft im Pantanal

Termiten-Skyline im Pantanal
Termiten-Skyline im Pantanal

Ein King-Fisher
Ein King-Fisher

Junger Brüllaffe
Junger Brüllaffe

Papa Brüllaffe
Papa Brüllaffe

Zwei Handtaschen
Zwei Handtaschen

Ausblick von Chapada
Ausblick von Chapada

Typische Amazonas-Uferlandschaft
Typische Amazonas-Uferlandschaft

Irgendein Papagei
Irgendein Papagei

Beim Ausflug mitten im Dschungel
Beim Ausflug mitten im Dschungel

Schlafgemeinschaft mit einer Spinne
Schlafgemeinschaft mit einer Spinne

Bootsausflug durch Nebenkanäle des Amazonas
Bootsausflug durch Nebenkanäle des Amazonas

Ein fressendes Faultier - Nein, nicht Ernst!
Ein fressendes Faultier - Nein, nicht Ernst!

Das Opernhaus von Manaus
Das Opernhaus von Manaus

Der prachtvolle Saal des Opernhauses
Der prachtvolle Saal des Opernhauses

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